Fünf Minuten Stille

Seit 15 Jahren ist die Marienkirche Gimte von April bis Oktober täglich geöffnet. Unzählige Fahrradfahrer legen hier eine Rast ein. Die meisten Besucher stranden zufällig an dieser Kirche. Das Gepäck muss noch einmal festgezurrt werden, bevor die große Tour auf dem Weserradweg beginnt. Und während der eine das Gepäck überprüft, öffnet der Partner die Kirchentür und wirft einen Blick hinein. Der kurze Blick in die Kirche dauert länger als gedacht. Schließlich sind beide in der Kirche und schauen sich um. Der eine setzt sich in eine Bankreihe, der andere erkundet den Kirchenraum, entdeckt Segenskarten auf dem Taufstein und schließlich sogar das bunte Kirchenfenster hinter dem Altar.

„Mit so viel Liebe alles erklärt und ausgestattet, sowie Ihre tolle Infomappe, danke! Wer dies getan hat, ist ein Engel auf Erden!“, schreibt eine Besucherin ins Gästebuch.

Wer einmal drin ist, der kommt so schnell nicht wieder hinaus. Es ist Urlaub. Niemand will den Partner drängeln, jetzt endlich weiter zu fahren. Niemand kommt auf die Idee, den Partner für den Besuch der Kirche zu kritisieren. Es ist Urlaub, der Besuch von Kirchen gehört dazu.

„Der Besuch dieses Kirchleins ist wie ein Gottesdienst und erinnerungsschwerer als die Besichtigung eines Domes für mich. Danke, dass ich hier sein darf!“, schreibt ein anderer Besucher im Gästebuch.

Wer Urlaub hat, der nimmt sich gern fünf Minuten Zeit und genießt die Stille in der Kirche. Eigentlich ist es seltsam, dass wir uns diese fünf Minuten nur im Urlaub gönnen. Fahrradfahrer aus ganz Europa treffe ich in unserer Kirche. Nur Besucher aus der eigenen Gemeinde, die sind selten. Dabei würden uns die fünf Minuten Stille in der Kirche doch gerade im ganz normalen Alltag gut tun!

Seltsam: Im Urlaub gehen wir ganz selbstverständlich in fremde Kirchen. Zu Hause kommen wir so gut wie nie auf die Idee, einen Abstecher in die eigene Kirche zu unternehmen. Was hält uns davon ab? Wahrscheinlich die ganz banale Frage: Was ist, wenn mich jemand sieht? Was werden die Nachbarn denken?

Wer immer an die anderen denkt, der findet keinen Frieden. Der Kurzurlaub für die Seele liegt so nah. Ich muss entscheiden, was gut für mich ist. Entdecken Sie das, was nahe liegt!

07.04.2018