Kindersegen im Wohnzimmer

In jedem Konfirmandenkurs gibt es Jugendliche, die noch nicht getauft sind. Inzwischen bin ich dafür sehr dankbar. So können wir nämlich im Konfirmandenkurs sehr gut über die Unterschiede von Kindertaufe und Erwachsenentaufe sprechen. Was unterscheidet Konfirmand A, der noch nicht getauft ist, von Konfirmand B, der als kleines Kind getauft wurde? Die Antwort auf diese Frage ist gar nicht so leicht!

Dass manche Eltern auf die Kindertaufe verzichten, ist interessanterweise noch keine Gefahr für die Zukunft der Kirche. Bis zur Konfirmation werden etwa 90 Prozent der Kinder beziehungsweise Jugendlichen getauft, insofern sie aus einem Elternhaus stammen, in dem mindestens ein Partner Mitglied einer christlichen Kirche ist.

Was aber bietet die Kirche den Eltern an, die sich nicht für eine Kindertaufe entscheiden möchten? Vielleicht ist die Kleinkindphase zu stressig, sodass die Vorbereitungszeit für eine schöne Tauffeier fehlt? Vielleicht scheut man den großen Taufgottesdienst, weil dann die andere Tauffamilie sieht, dass man selbst alleinerziehend ist?

Wie gesagt: Der Taufaufschub ist kein Problem. Die Eltern müssen dann nur darauf achten, wann der Konfirmandenkurs beginnt, denn das Kind ist ohne Taufe noch nicht in der Kirchengemeinde gemeldet. Die Feier am Anfang fehlt trotzdem. Bietet die Kirche eine Alternative an?

Eine Alternative zur Kindertaufe ist die Kindersegnung. Viele Gemeinden setzen eine solche Segnung wieder in einen Gottesdienst. Dann kann man allerdings auch gleich eine Taufe planen… Mir schwebt folgende Möglichkeit vor: Zur Kindersegnung kann der Pastor nach Hause kommen, das senkt den Planungsaufwand. Im Wohnzimmer gibt es dann eine kleine Familienfeier, bei der Verwandte und Freunde das neugeborene Menschenkind begrüßen. Jemand aus der Familie liest die Geschichte von der Segnung der Kinder (Markus 10,13-16). Familie und Freunde nennen ihre Wünsche für das Kind, vielleicht sogar als gemeinsames Gebet. Der Pastor fasst die Wünsche noch einmal zusammen, betet für das Kind und segnet es. So unkompliziert kann es gehen. Die Kindersegnung ist keine Taufe. Es gibt keine Paten, keine Taufurkunde und auch keine Frage nach der Kirchenmitgliedschaft. Aber es gibt Gottes Wort und Gottes Segen am Lebensanfang.

Der Pastor legt sich eine Liste mit den gesegneten Kindern an. Die Einladungen zum Kindergottesdienst und zum Konfirmandenkurs erreichen dann nicht nur die getauften Kinder, sondern auch die gesegneten. Wollen wir es einmal ausprobieren? Sprechen Sie mich an!

04.03.2017