Glauben lernen - aber wie?

Immer wieder kommt der Eindruck auf, dass Konfirmanden heute zu wenig lernen. Früher, da habe man doch so viel lernen müssen. Und heute sei die Konfirmation fast geschenkt.

Ich reagiere auf diesen Eindruck gelassen: Die Senioren, die ich heute zu Konfirmationsjubiläen treffe, kennen ihre auswendig gelernten Texte von damals auch nicht mehr. Stattdessen beklagen sie sich aber, dass ihre Konfirmandenzeit so unendlich langweilig war. Die Konfirmanden von heute geben ihrer Konfirmandenzeit meist sehr gute Noten. Zumindest Langeweile haben wir nicht mehr im Angebot.

Das wäre auch ein Widerspruch in sich, wenn die Reise ins Land des Glaubens langweilig würde.

Die Reise ins Land des Glaubens ist vielfältig, es gibt keine Standardwegbeschreibungen. Lerne die Texte A, B und C und dann bist du am Ziel - so einfach ist das leider nicht. Stattdessen versuchen wir, in der Konfirmandenzeit die Sehnsucht nach Gott zu wecken. Und wer den weiten Horizont des Glaubens durch Singen und Beten, durch Zuhören und Diskutieren tatsächlich spürt, der lernt die Texte A, B und C aus eigenem Interesse, weil die Texte ihm unterwegs gute Ratgeber sind.

Natürlich sind am Ende der Konfirmandenzeit nicht alle Konfirmanden auf der Suche nach Gott. Doch auch die, die in Bezug auf Gott große Fragezeichen haben, bewerten den Konfirmandenkurs als eine gute Zeit. Auch damit kann ich leben. Die Reise in das Land des Glaubens verläuft bei jedem anders, es gibt keine Standardwege und erst recht keine Standardzeiten. Wer weiß, was ihr in 50 Jahren von eurer Reise durch das Leben zu berichten habt?

In einem Punkt bin ich aber zuversichtlich: Die Klage über eine langweilige Konfirmandenzeit wird nicht dazu gehören.

04.05.2019