Gott sei Dank!

Als Redensart ist „Gott sei Dank“ lebendig geblieben. Als wörtlich gemeintes Kurzgebet wird es nur noch selten gesprochen.

Anlässe zum Danken gibt es eigentlich viele. Am Wochenende feiern wir das Erntedankfest. Wir danken für die Früchte aus Feld und Garten. Doch der Dank für ganz alltägliche Dinge ergibt sich eben nicht von selbst. Sobald etwas selbstverständlich geworden ist, vergessen wir das Danke Sagen. Wir vergessen den Dank gegenüber Menschen, die uns täglich Gutes tun, und wir vergessen den Dank gegenüber Gott, der uns täglich Gutes tut. Und so geht uns die Dankbarkeit verloren, obwohl wir jede Woche im Supermarkt die volle Auswahl haben.

Wenn wir die Dankbarkeit für alltägliche Dinge nicht mehr pflegen, dann bleibt uns immer noch die Dankbarkeit für besondere Anlässe. Vielen Dank für dieses liebe Geburtstagsgeschenk, vielen Dank für diesen Urlaubstag. Doch besondere Anlässe leben davon, dass sie selten sind. Dankbarkeit ist dann kein Lebensgefühl mehr, sondern ein Gefühl für besondere Anlässe.

Wenn ich so in schwere Zeiten gerate, dann gewinnt die Klage schnell das Übergewicht. Die verbliebene Dankbarkeit hält Enttäuschung und Bitterkeit nicht lange stand. „Halte die Augen offen für das Gute in deinem Leben!“ Dieser (schwere!) Ratschlag für Enttäuschte und Verbitterte hat es leichter, wenn man in guten Jahren ein Lebensgefühl der Dankbarkeit eingeübt hat. Dankbarkeit ergibt sich nicht von selbst. Wenn ich das nächste Mal einkaufen gehe, dann nehme ich „Gott sei Dank“ einmal ganz bewusst wörtlich.

4.10.2014