Ein Aufbruch, der sich lohnt

Manchmal kommt die Kirche auf seltsame Ideen. Am extra langen Osterwochenende gibt es von Donnerstag bis Montag fast täglich einen Gottesdienst. Haben Christen Langeweile?

Die Krönung des straffen Programms ist wohl der Osterfrühgottesdienst, der in diesem Jahr um 5:00 oder 5:15 beginnt. Ja, Sonntagmorgen, noch vor Sonnenaufgang. Die Konfirmanden schauen mich ratlos an. Warum feiert man um diese Uhrzeit Gottesdienst? Wer verlässt um 4:15 sein Bett, um in die Kirche zu gehen? Ich versuche zu beschreiben, wie die Osterkerze in die dunkle Kirche getragen wird. Ich erzähle, dass während der Predigt die Vögel zu singen beginnen. Ich schildere, wie das Licht des Ostermorgens die Dunkelheit der Nacht vertreibt.

Bei aller Faszination für den Ostermorgen muss ich den Konfirmanden natürlich genauso den Karfreitag empfehlen. Und das Abendessen am Gründonnerstag natürlich auch. Wieder schauen mich die Konfirmanden ratlos an. Drei Gottesdienste hintereinander? Wer die Hoffnung des Osterfestes verstehen will, der kann seine eigene Schuld nicht aus seinem Leben ausklammern. Ostern ohne Gründonnerstag und Karfreitag, das ist nur die halbe Geschichte!

Drei Gottesdienste hintereinander? Auch ich bin skeptisch. Wer macht das schon? Ich kann Werbung machen, aber am Ende hilft alles Erzählen wenig. Erzählen bleibt fremdes Erleben. Nur wer tatsächlich selbst aufbricht und mitgeht, für den wird Ostern zum eigenen Erleben. Immer wieder neu. Wer dabei ist, wenn Jesus verhaftet wird, und wer unter dem Kreuz steht, wenn er stirbt, der erlebt auch die Freude des Ostermorgens hautnah. Fremdes Erzählen wird zum eigenen Erleben. Der Aufbruch hat sich gelohnt. Geben Sie sich einen Ruck: Drei Gottesdienste hintereinander!

12.04.2014