Kinder und Karriere?

Bundesfamilienministerin Kristina Schröder steht für eine neue Amtszeit nicht zur Verfügung. „Ich habe viele schöne Momente mit meiner Tochter verpasst. Oft hatte ich das Gefühl, zu wenig Zeit mit der Kleinen zu haben. Künftig möchte ich mehr von meiner Familie haben“, so Kristina Schröder in einem Spiegel-Interview.

Die erste deutsche Ministerin, die während ihrer Amtszeit ein Kind bekam, tritt kürzer. Kristina Schröder betont, aus ihrer persönlichen Entscheidung solle man keine allgemeinen Schlüsse ziehen. Kinder und Karriere seine durchaus miteinander vereinbar.

Mir kommen Zweifel: Lassen sich Kinder und Karriere tatsächlich miteinander vereinbaren? Wer nach beruflichem Erfolg strebt, dessen Tag hat wenig freie Stunden. Der Arbeitgeber fordert ganzen Einsatz, Rufbereitschaft jeden Tag. Kinder und Karriere funktioniert nur dann, wenn ich damit leben kann, meine Kinder im Alltag nur kurz zu sehen. Aber habe ich dann tatsächlich Kinder und Karriere miteinander vereinbart?

Frau Schröder konnte sich frei entscheiden: Etwas mehr Zeit für die Familie, im Gegenzug etwas weniger Gehalt. Was aber ist mit den Müttern und Vätern, die sich nicht frei entscheiden können, weil sie nicht in Führungspositionen, sondern in den untersten Gehaltsklassen arbeiten? Steht einer Reinigungskraft kein Wahlrecht zu, in welchem Umfang sie ihr Kleinkind täglich sehen möchte?

Ein Schritt auf dem Weg zur Wahlfreiheit in der Betreuung von Kindern unter 3 Jahren ist das Betreuungsgeld. Kritiker wenden ein: Die Eltern könnten es für Alkohol und Zigaretten ausgeben. Mit dem gleichen Argument müsste man dann aber auch das Kindergeld abschaffen. Für die Verteidigung der Wahlfreiheit hat Frau Schröder viel Kritik erhalten, nun wünsche ich ihr Freude und etwas mehr Zeit mit ihrer Tochter. Allen Eltern wünsche ich, dass sie sich nicht mit unerfüllbaren Idealen überfordern!

12.10.2013