Kleine Auszeit - große Wirkung

Überlastung auf allen Ebenen. Dauerstress auf Arbeit und zu Hause. Egal, wie sehr ich mich anstrenge, fertig werde ich nie. Trotzdem: auf keinen Fall innehalten, das eng getaktete System würde sofort zusammenbrechen! Also: Immer weiter so!?

Die Hannoversche Landeskirche hat für 2019 das Jahr der Freiräume ausgerufen. Ein Projekt gegen die Überlastung, gegen den Stress auf Arbeit und zu Hause. Doch in der Umsetzung des Projektes zeigen sich schon jetzt die großen Schwierigkeiten: Sobald jemand das Projekt wörtlich nimmt, steigt die Arbeit für die Übrigen.

Jeder von uns kennt die Sehnsucht nach einer echten Auszeit. Wenn die Landeskirche von Freiräumen spricht, dann sind damit aber keine großflächigen Auszeiten gemeint. Die Pflegeheime müssten ihre Arbeit einstellen, wenn alle Pflegekräfte in 2019 eine Auszeit nähmen. Auszeiten sind ein Luxusphänomen. Als Antwort auf eine gestresste Gesellschaft taugen sie nicht.

Wir brauchen Auszeiten im Kleinen. Wir brauchen nach der Klage über den Stress den Mut zu kleinen Schritten der Veränderung. Womit verbringe ich meine Zeit? Woher kommt mein Stress? Was kann ich tun, um den Stress zu reduzieren? Im Kleinen bieten sich viele Möglichkeiten. Lassen Sie das Handy am Sonntag für einige Stunden im Auto liegen. Tun Sie das, was Ihnen und Ihrer Familie gut tut. Das muss nichts Großes sein. Vielleicht nach langer Zeit mal wieder eine Winter-Wanderung. Ganz egal, was Sie allein oder gemeinsam unternehmen: Es sind nur zwei oder drei investierte Stunden, aber sie geben Kraft für eine ganze Woche!

Wer immer von der großen Auszeit träumt, der verpasst das Leben im Hier und Jetzt. Die kleinen Freiräume, die gilt es zu finden und zu nutzen. Eingespielte Verhaltensweisen muss ich dazu vielleicht überdenken. Doch wer die kleinen Schritte der Veränderung geht, der erlebt mit relativ wenig Aufwand endlich wieder Freiraum für die Seele.

26.01.2019