Lautstarke Zukunft

Am Heiligabend in jedem Jahr erlebe ich gleich mehrere Weihnachtswunder. Das schönste Wunder ereignet sich stets im Familiengottesdienst um 16.30 Uhr.
Wenn das große Krippenspiel erfolgreich abgeschlossen ist und der Gottesdienst sich seinem Ende nähert, dann steht kurz vor dem Segen noch das Vater unser auf meinem Ablaufplan.

Ich leite das Gebet ein, das viele Besucher im Alltag nur selten sprechen. Entsprechend leise betet die Gemeinde. Die Kinder aus dem Kindergottesdienst sind für einen kurzen Moment irritiert, warum alle so leise mitbeten. Zwei Sekunden später tragen die Kinder das Gemeindegebet. Lautstark hören wir das Vater unser aus den Reihen, in denen die Kinder sitzen. In diesem Moment weiß ich: Glaube hat Zukunft! Die Eltern sind zwar beim Vater unser etwas leise, nicht jedoch beim Singen.

Das ist das zweite Weihnachtswunder: Der Gesang in der Andacht für Kindergartenkinder und im Familiengottesdienst ist kräftiger als in der Christvesper am Abend. Ein Hinweis, dass es in der Kirche nicht um perfektes Singen geht, genügt. Und schon sind sie da: die mutigen Stimmen der jungen Eltern! Egal, was der Sitznachbar über meinen Gesang denkt, ich singe einfach mit! Die Lockerheit der Eltern zeigt sich auch darin, dass sie im Gottesdienst mitgehen: Es wird herzlich gelacht, wenn im Krippenspiel ein Witz versteckt ist.

Und es ist mucksmäuschenstill, wenn im Krippenspiel der vierte König mit den Flüchtlingskindern in Ägypten spricht. Die Eltern sind offen für das, was ihre Kinder am Heiligabend erzählen. Und wieder habe ich den Eindruck: Glaube hat Zukunft!

30.12.2017