Lerche
Foto: Bernd Vogel

Lerchenorgel

Wegen ihres hübschen singenden (Holz-)Vogels auf der Spitze und wegen ihrer quasi singenden Musikalität wird die Gimter Orgel „Lerchenorgel“ genannt.

Die Orgel in der Marienkirche zu Gimte

Orgel
Foto: Bernd Vogel

Ihre Geschichte

Im Jahre 1770 erhält die Gimter Marienkirche eine neue Orgel. Es ist das erste Instrument für das ehrwürdige Gotteshaus. 1770 machte Johann Friedrich Hagemann, ein ehemals armer Müller, später reicher Mühlenbesitzer, geboren in Volkmarshausen, in Gimte zur Schule gegangen, der Kirche eine Orgel mit Pedal zum Geschenk. Damit konnten in der Folgezeit wieder fähigere Organisten und Kantoren angestellt und der Gemeindegesang verbessert werden.
In der „Oberweser Heimat“, einer Druckschrift im Rahmen der „Niedersächsischen Heimatblätter der Mündenschen Nachrichten (Süd-Niedersächsische Zeitung)“, in der Ausgabe vom 19. November 1932 steht dazu anläßlich einer damaligen Wiedereinweihung einer gründlich reparierten Orgel (durch FA. Euler):
„Eine Orgel besaß unsere Gimter Kirche (vor 1770) noch nicht. Deshalb kam es auch, daß der Gemeindegesang mit der Zeit entartete und verwilderte, zumal - der Sitte der damaligen Zeit entsprechend der Schul- und Kirchendienst meist von Handwerkern, Soldaten und Invaliden versehen wurde.“

Einzelne Pfeifen dieser ersten Orgel befinden sich bis heute in dem Gimter Instrument (Octave 2'). Als Erbauer könnte zum einen der aus Gottsbüren stammende Stephan Heeren infrage kommen, der 1772 im nahen Löwenhagen die Orgel baute. Aber auch Johann Wilhelm Schmerbach (der ältere), von dem mit Sicherheit das Register Octave 2' stammt, wäre als Orgelbaumeister denkbar.

In den Jahren 1845/46 hat ein größerer Orgelumbau stattgefunden, bei welchem das alte Orgelwerk im wesentlichen seine heutige Gestalt erhielt. Als Erbauer darf mit ziemlicher Sicherheit Balthasar Conrad Euler gelten (1791-1874), der in dieser Region mit zahlreichen noch heute erhaltenen Instrumenten nachweisbar ist und der in Gottsbüren die traditionsreiche Orgelbauwerkstatt Stephan Heerens und seines Nachfolgers Kuhlmann weiterführte. Von dieser Orgelbaumaßnahme sind Dokumente erhalten.
Die Orgel ist dann mehrfach repariert und umgebaut worden (zuletzt 1957/58 von der Firma Ott). Zwischenzeitlich stand die Orgel auf einer über der heutigen Empore gelegenen Orgelempore, von der sie 1957/58 im Rahmen der Umgestaltung der Kirche auf ihren alten und heutigen Platz gestellt wurde.

Ihre Disposition

Erst 1859 zeichnete der um einen Kostenvoranschlag zu einer Reparatur gebetene Johann Schmerbach aus Frieda in Hessen die Disposition der Euler-Orgel auf.
Das aus zwei Manualen und Pedal erstellte Werk hatte bei fünfzehn Stimmen ein stattliches Fundament, basierend auf Bordun 16' im Hauptmanual, sowie Violon 16' und Posaune 16' mit voller Becherlänge im Pedal. Die ausgewogene Disposition gestattete die Darstellung einer Fülle von Orgelmusik aus verschiedensten Stilbereichen.
1957/58 arbeitete Paul Ott aus Göttingen an der schadhaft gewordenen Orgel, veränderte das Klangbild entsprechend dem damaligen Geschmack und tauschte einzelne Pfeifen gegen gut erhaltenes Pfeifenwerk aus werkstatteigenen Beständen aus (Octavbass 8'). Auf Dauer befriedigte das seinerzeit erzielte künstlerische Ergebnis jedoch nicht.

Die 1994 ausgeführten umfangreichen Renovierungsarbeiten hatten folgende Zielsetzung:

1. Das gesamte Originalpfeifenwerk sowie die originale technische Anlage sollten restauriert werden.
2. Funktionstüchtige Bauelemente aus späteren Zeiten sollten renoviert und besonders im klanglichen Bereich stilistisch angepasst werden.
3. Die Disposition sollte dem ältesten belegbaren Bestand von 1859 wieder angenähert werden, ohne jedoch in allen Teilen diesen zu entsprechen.
4. Das zwischenzeitlich unsachgemäß veränderte Orgelgehäuse sollte gemäß dem 1956 fotografisch belegten Zustand rekonstruiert und mit Ornamenten der Euler-Tradition geschmückt werden.
5. Das gesamte Gehäuse sollte farblich neu gefasst werden. Dabei sollten einerseits der Befund der Freilegungsproben und andererseits die jetzige Farbgebung des Kirchenrauminventars bedacht werden. 

Hauptmanual C-f'''

Bordun 16' größtenteils Euler, original, Eichenholz
Principal 8' Prospektpfeifen, neu
Hohlflöte 8' größtenteils Euler, original, Eichenholz, I. konisch
Octave 4' alte Pfeifen, Schmerbach 1859
Quinte 3' ab d Originalpfeifen aus Quinte 1 1/3', in 1859 enthalten
Octave 2' sehr alte schwere Pfeifen, weitgehend Schmerbach
Mixtur 3-4fach C 1'/c 2'/c' 2 2/3'/c'' 4', neueren Datums, vierter Chor neu

Nebenmanual C-f'''

Gedackt 8' größtenteils Euler, original, ab c Metall
Gamba 8' Pfeifen aus Quinte 3' zurückgewonnen, Unterteile Euler, original 1859 als Register vorhanden, tiefe Octave mit Gedackt, B und H neu, offen
Gedacktflöte 4' größtenteils Euler, original, Metall
Sesquialtera 3fach C 2'/c 3', 2'/c' 2', 2', 1 3/5', neue Pfeifen, 1859 als Register vorhanden, aber nur Quinte und Terz ab c'

Pedalwerk C-d' (cis' und d' ergänzt)

Subbass 16' historische Pfeifen aus Werkstattbestand Bosch, C-Gis original
Octavbass 8' historische Pfeifen aus Werkstattbestand Ott
Octave 4' Euler, original, Eichenholz
Posaune 16' Euler, original, Becher in Fichtenholz, Stiefel in Eichenholz, neue Zungen und Kehlen, Zinnauflage beledert

Nebenregister

Manualschiebekoppel II an I, neu nach alter Anlage - Pedalkoppel zum Hauptmanual neueren Datums - Tremulant auf das ganze Werk, neuer Wippfedertremulant - Winddruck nach verschiedenen Proben auf gut 60 mm/WS festgelegt - Intonation anhand der originalen Euler-Pfeifen - Stimmung ungleichstufig nach Neidhardt (großes Dorf), Stimmtonhöhe a Octave 4' = 444 Hz bei 18° Celsius.

 

Die Orgel erzählt

Was wäre die Kirche ohne mich?

Ein Beitrag von Birgit Linnebach (ehem. Sumpf) für „1000 Jahre sind wie ein Tag - Marienkirche Gimte 2006“.

S O L I   D E O   G L O R I A