Aufnahme von Viktor Schneider als Pastor für die Kirchengemeinden Gimte-Hilwartshausen und Hemeln-Bursfelde am 8. Februar 2026

Foto: Bettina Sangerhausen


Ein Beispiel für die Freiheit eines Christenmenschen

Es sei ein „ganz besonderer Tag, ein Tag der Freude“, sagte Regionalbischof i.R. Hans Christian Brandy in seiner Festrede zur Aufnahme von Viktor Schneider in den Dienst als lutherischer Pastor: Nicht nur bekämen die Kirchengemeinden Gimte-Hilwartshausen und Hemeln-Bursfelde wieder einen Pastor, sondern einen mit einer ausgesprochen spannenden Biografie. „Sie haben wahrscheinlich mehr erlebt als die meisten von uns“, sagte Brandy an Viktor Schneider gewandt. Dieser, als Sohn einer katholischen Mutter und eines evangelischen Vaters in Nowosibirsk geboren, dann russisch-orthodox getauft, ist nicht nur ökumenisch aufgewachsen, sondern hat in der damaligen Sowjetunion auch erlebt, wie Kirche staatlich unterdrückt im Untergrund agieren musste. Zuerst Mönch, wurde Viktor Schneider zum evangelisch-lutherischen Pastor. Damit stehe er in guter Tradition, sagte Brandy, denn auch Martin Luther sei ja vom Mönch zum Familienvater und Pfarrer geworden. Viktor Schneider sei damit ein „Beispiel für die Freiheit eines Christenmenschen“.
Da Viktor Schneider bereits als russisch-orthodoxer Priester die Weihe erhalten hatte, war der Festgottesdienst am 8. Februar in der Marienkirche Hemeln nicht, wie sonst üblich, eine Ordination, sondern eine „Aufnahme in den Dienst als evangelisch-lutherischer Pastor“. Mit den Segensworten der Assistent*innen Helmut Grotehusmann, Pastor Henning Dobers, Superintendentin Marit Günther-Menzel und Pastor Thorsten Rohloff wurde diese Aufnahme feierlich vollzogen.
Um ihren neuen Pastor individuell willkommen zu heißen, hatten sich die Grußredner*innen, die dann folgten, einiges einfallen lassen, und ernteten dafür immer wieder spontanen Applaus und fröhliches Lachen.
Einen musikalischen Gruß hatten Katja Weddig und Ramona Hirschel mitgebracht und sangen beschwingt „Gott segne Dich“. Für die Kirchenvorstände der Gemeinden Gimte-Hilwartshausen, zu der auch Volkmarshausen gehört, und Hemeln-Bursfelde, die auch Glashütte einschließt, richtete Stephanie Dockenfuß (Gimte-Hilwartshausen) Grußworte an den neuen Pastor. Sie, Helmut Grotehusmann und Kirsten Kechel (Gimte-Hilwartshausen) sowie Katja Weddig, Ute Schmidt-Mackenroth und Thomas Koch (Hemeln-Bursfelde) überreichten als Geschenk einen jungen Apfelbaum, der Wurzeln schlagen möge wie auch der neue Pastor. Thomas Baake, Ortsbürgermeister von Hemeln, wünschte Viktor Schneider, nach seinem bisher so bewegten Lebensweg an seinen neuen Wirkungsorten zur Ruhe kommen zu können. Carsten Dorner, in Vertretung des Gimter Ortsbürgermeisters Peter Katzwinkel, begrüßte den neuen Pastor auch im Namen von Volkmarshausen. Die Hemelner Kindergottesdienst-Kinder hatten mit Tamara Koch, Yvonne Heinemann und Alina Kühne ein „Alltags-Notfallset“ für ihren neuen Pastor dabei, von süßer „Nervennahrung“ bis zum Radiergummi für die kleinen Fehler, die jeder machen darf. Jan Mika Wisgott sprach für die Hemelner Vereine. Er unterstrich die Wertschätzung gegenüber der Kirche als Teil der Dorfkultur, und betonte, die Vereine seien offen für die Zusammenarbeit. Sabine Grünewald brachte das Geschenk der Kita Hemeln: Ein großes Willkommens-Transparent mit den Handabdrücken aller Kinder. Und Marion Richter lud Pastor Schneider ein, zu den Treffen der Senioren zu kommen.
Mit der Überreichung der Urkunde der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers durch Superintendentin Marit Günther-Menzel wurde es noch einmal kurz offiziell, bevor die „neue Boygroup der Region Münden Mitte/Obergericht“, bestehend aus den Pastoren Andreas Risse (Stadtkirchengemeinde Münden) und Philipp Mohnke-Winter (Hedemünden-Oberode und Wiershausen-Lippoldshausen), mit „Nun jauchzt dem Herrn alle Welt“ ihre kollegialen Grüße sang.
Stimmgewaltig im Gesang waren auch die Besucherinnen und Besucher in der voll besetzten Kirche, an der Orgel begleitet von Elke Grotehusmann. Als Pastor Schneider zum Schluss vor die große Versammlung trat, berichtete er, wie in der Sowjetunion der Glaube unterdrückt und Gottesdienste im Geheimen zuhause gehalten werden mussten. Hier, ohne staatliche Unterdrückung, indes verschwinde der Glaube. Er wünschte sich, „dass die Kirche immer so voll ist wie heute“.

Bettina Sangerhausen
Öffentlichkeitsreferentin für den Ev.-luth. Kirchenkreis Göttingen-Münden

Mitglieder der Kirchenvorstände. Foto: Bettina Sangerhausen